Förderverein Apollinariskirche Remagen e.V.
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  53424 Remagen
Fast 150 Jahre lang segensreich gewirkt
Die Franziskaner auf dem Apollinarisberg
Als im Januar  2007 die Franziskaner den Apollinarisberg verließen, ging eine fast 150jährige Ära zu Ende. Viele Menschen in Remagen waren tief betroffen, ja nahezu erschüttert – waren doch die Brüder vom Apollinarisberg zutiefst im Stadtbild verwurzelt, gehörten sie doch einfach zu Remagen dazu – so wie die Apollinariskirche oder die über Deutschlands Grenzen berühmte Brücke, die im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Und es waren nicht zuletzt die Franziskaner vom Berg, die damals, als der Krieg wütete, der notleidenden Bevölkerung Trost spendeten, und jenen Remagenern, deren Häuser zerstört waren, ein Dach über den Kopf gaben.
Doch in der Kirche gibt es immer wieder dieses Kommen und Gehen, gerade bei den tätigen Orden, zu denen auch die Franziskaner gehören – eine Gemeinschaft, die von der Idee ihres Gründers her an sich gar nicht sesshaft werden, sondern wie Jesus und seine Jünger durch das Land  ziehen sollte, um dort das Evangelium den Menschen zu verkünden. Christliches Leben ist ein Pilgerweg, es gibt in der Kirche immer dieses Kommen und Gehen, und dennoch oder vielleicht sogar gerade deswegen die Erfahrung: Gott bleibt treu.
Betrachtet man zudem die Geschichte des Apollinarisberges als ganze, so ist auch die franziskanische Ära dort eine unter anderen: Jahrhundertelang waren hier die Benediktiner, die während der Napoleonischen Wirren 1794 den Apollinarisberg verlassen mussten. Damals schien sogar die Wallfahrt ihr Ende genommen zu haben: Die hoch verehrte Haupt-Reliquie des heiligen Apollinaris kam nach Düsseldorf.
Trotzdem fand die Wallfahrt damit kein endgültiges Ende, vielmehr konnten die Christen auch hier wieder jene Erfahrung machen, die sich in der Kirchengeschichte immer wieder ereignet: dass Gott sein Volk eben doch nicht im Stich lässt, auch wenn immer wieder dieser Eindruck in Zeiten aufkommt, in denen Gott in der Gesellschaft fast keine Rolle spielt oder Glauben und Kirche gar bekämpft werden. Das Napoleonische Zeitalter und die Säkularisation nahmen  ihr Ende, und es ging weiter: anders zwar als früher, aber es konnte – gewiss nach dem Willen Gottes – eine gute Lösung geschaffen werden.
Graf Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim
Graf Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim hatte im Jahr 1836 den Apollinarisberg erworben. Der Graf, ein tieffrommer Mann, wollte hier eine Kirche ganz im Stil der Neogotik entstehen lassen, nachdem die alte Apollinariskirche, die die Benediktiner nutzten, verfallen war. Es war die Zeit nach den napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress. Deutschland bestand aus unzähligen Fürstentümer, und es gab eine Sehnsucht nach Einheit, so wie es damals im Mittelalter war, als der Kaiser über das „Heilige Römische Reich“ deutscher Nation herrschte. Man wollte dieses Mittelalter wieder aufleben lassen, und deshalb entdeckte man auch die Kunstrichting wieder, in der die großen Dome entstanden sind: die Gotik. In Köln war ein Dom, der immer noch ein Torso war – und so entschloss man sich, diese Kirche fertigzustellen. Und weiter gegen Süden, am Rhein entlang, da gab es noch die alten Burgen; und man fasste den Entschluss, auch die Rheinlandschaft um weitere Gebäude zu bereichern, in denen das Mittelalter lebendig wurde.
Rheinromantik und mittelalterliche Nostalgie ließen schließlich die neue neogotische Kirche auf dem Apollinarisberg entstehen. Ausgemalt wurde sie im Stil der Nazarener, einer  Kunstrichtung, die die  Malerei des späten Mittelalters und der frühen Renaissance sehr genau studiert hatte, gleichwohl aber Elemente der romantischen wie klassizistischen Kunst aufnahmen.
Was nun noch fehlte, waren Seelsorger, um die Wallfahrtskirche zu betreuen. Es war Pauline von Fürstenberg- Stammheim, die Gemahlin des Besitzers des Apollinarisberges, die in der Kölner Kirche „Maria in der Kupfergasse“ während des Gebetes die innere Eingebung hatte, dass der Franziskanerorden die Seelsorge auf dem Berg übernehmen sollte. Erstaunlicherweise war ihrem Ehemann im gleichen Moment der gleiche Gedanken gekommen.
So wandte sich Graf Fürstenberg an Gregorius Janknecht, den Provinzialminister der sächsischen Franziskanerprovinz Saxonia. Die Franziskaner, deren Ordenshäuser im Rheinland durch die Napoleonische Besetzung und Säkularisation alle verloren gegangen und deren Rheinische Ordensprovinz aufgelöst war, erlebten gerade in dieser Zeit am Rhein einen neuen Aufschwung. So beschloss das Provinzkapitel der Saxonia, die für das Rheinland zuständig war, am 8. März 1857, Brüder auf den Apollinarisberg auszusenden.
Der erste Obere auf dem Apollinarisberg: P. Xaverius Kaufmann OFM
Bereits am 24. März begann das franziskanische Leben auf dem Apollinarisberg. Erster Präses wurde P. Xaverius Kaufmann. Guardian durfte er sich nicht nennen, da die Zahl der Brüder im Apollinariskloster die Zahl von 12 unterschritt. Zur Besiedelung des Klosters schrieb der damalige Trierer Bischof Arnoldi folgenden Segensgruß: „Der Herr wolle die neue Anstalt  in seinen heiligen Schutz nehmen und diesen Wallfahrtsort zu einer  Quelle des Segens werden lassen für die Tausende, die dort Trost und Frieden der Seele suchen!“ – ein Wunsch, der in Erfüllung ging, sicherlich auch durch die gute Zusammenarbeit von Bischof Arnoldi mit den Franziskanern.
Unmittelbar neben dem Kloster wurde zudem eine Kapelle errichtet, in der die Franziskaner das gemeinsame Stundengebet feierten und sich zur Betrachtung zurückzogen. Diese Kapelle wurde bei der Renovierung Anfang der 1970er Jahre abgerissen.
Der Hochaltar stellt den Gekreuzigten mit seiner Mutter Maria und dem Apstel Johannes dar.Dem Altarkreuz hat die „Gemeinschaft der gekreuzigten und auferstandenen Liebe“, die 2007 den Franziskaner nachfolgte, einen Platz im Chor der Apollinariskirche gegeben.
Am 25. März hielt P. Xaverius dann die erste Predigt in der neuen Apollinariskirche. Vier Monate später, am  23. Juli 1857 wurde die Apollinarisreliquie, die sich seit 1826 in der Remagener Pfarrkirche befand, in die neue Apollinariskirche gebracht.  In einer feierlichen liturgischen Handlung überreichte sie der Remagener Pfarrer Nikolaus Klöppel dem Präses der Franziskaner vom Berg P. Xaverius.
Die Hauskapelle
Ebenfalls im Jahr 1857 wurde der Sankt-Apollinaris-Chor gegründet, der heute noch besteht und dessen Geschichte eng mit der der Franziskaner auf dem Berg verbunden ist.
Am 20. Dezember 1859 starb der große Förderer der Apollinariskirche Graf Fürstenberg-Stammheim und fand in der Familiengruft vor der Kirche seine letzte Ruhestätte. Zehn Jahre später wurde das Kloster um mehrere Zimmer erweitert und der Speisesaal vergrößert. Zudem gab es nun einen Durchgang zur Hauskapelle.
Das Wallfahrts- und Ordensleben blühte auf dem Berg, bis 1875 dunkle Wolken über die Kirche im Rheinland heraufzogen. Die zumeist katholischen Rheinlande wurden als preußische Rheinprovinz von Berlin aus regiert. Die dort größtenteils protestantische Regierung unter Otto von Bismarck sah mit Argwohn, dass die Katholiken sich mehr und mehr selbst organisierten – politisch vor allem in  der 1870 gegründeten „Zentrumspartei“, die unter anderem eine engere Zusammenarbeit mit dem katholischen Österreich anstrebte.  Grundsätzlich ging es dem Zentrum aber darum, eine möglichst große Eigenständigkeit der Katholiken durchzusetzen.
Preußen reagierte ab 1871 mit zum Teil heftigen Maßnahmen: so etwa dem Jesuitengesetz von 1872, das den Jesuiten und ihnen ähnlichen Orden (wie etwa den Redemptoristen) verbot, im Lande Klöster zu gründen oder dem Brotkorbgesetz von 1875, das der Kirche staatliche Zuwendungen entzog.  Im gleichen Jahr verfügte auch die preußische Regierung mit dem Klostergesetz die Auflösung aller Orden und Kongregationen außer jener Gemeinschaften, die karitativ tätig sind.
Doch die Franziskaner mussten den Berg nicht verlassen. Da das Kloster im Besitz der Familie Fürstenberg- Stammheim war, waren die Ordensleute Gäste des Fürstenhauses. Ebenfalls konnte erreicht werden, dass das Inventar und die Bibliothek des Hauses nicht beschlagnahmt wurden. Jedoch konnten die Franziskaner nur innerhalb der Klostermauern wirken. Hier konnten sie Beichten hören und in der Hauskapelle die Eucharistie feiern. Im Jahr 1876 hielten sie auch Priesterexerzitien ab. Eine seelsorgliche Tätigkeit draußen – auch in der Apollinariskirche – war ihnen aber nicht möglich. Hier war der Remagener Dechant Graach der verantwortliche Kirchenrektor, dem sich viele Weltpriester zur Verfügung stellten.
Chorausflug des St.-Apollinaris-Chores um die Jahrhundertwende.  Der Chor, geleitet von Karl Bender, war damals ein reiner Männerchor. Gemischt ist der Chor seit 1934.
Auch der St.-Apollinaris-Chor trat während dieser Zeit nicht in der Kirche auf.  Er wurde erst im Jahr 1887 wiederbelebt, im gleichen Jahr, als auch wieder die Franziskaner in der Apollinariskirche als Seelsorger wirken durften und mit einem Festgottesdienst am 1. Oktober wieder ihre Tätigkeit aufnahmen.
In den Folgejahren blühte, wuchs und gedieh die Wallfahrt. Die Klostergemeinschaft wurde 1896 vergrößert, sodass dem Konvent nun ein Guardian vorstand und das Kloster Apollinarisberg künftig auch  beim Provinzkapitel stimmberechtigt war. Als mit dem Dekret vom 17. April 1929 die Kölnische Franziskanerprovinz Colonia wieder errichtet wurde, gehörte der Konvent Remagen nun der neuerrichteten Ordensprovinz an.
Während dieser Zeit entstanden auch einige bedeutende Kunstwerke in der Kirche und auf dem Apollinarisberg, die die Franziskaner nicht zuletzt dank der finanziellen Unterstützung durch die Remagener Bevölkerung erstellen konnten. Zu erwähnen ist vor allem die überlebensgroße
 die noch während des Kulturkampfes 1886 entstand. Sie befindet sich auf einem Felsvorsprung oberhalb des Klosters und stellt den Ordensvater die Stadt Remagen segnend dar. 1907 wurde ein neues Reliquiar in Form eines bärtigen Mannes mit bischöflicher Mitra für das Apollinarishaupt geschaffen. In den 1920er-Jahren war eine umfassende Außenrenovierung der Kirche nötig, die maßgeblich von dem im Ruf der Heiligkeit verstorbenen Franziskanerbruder Firminus Wickenhäuser durchgeführt wurde.
Dieser glanzvollen Zeit folgten wieder schwere Jahre. Der Nationalsozialismus  mit seinen Repressalien gegen die Kirche machte auch den Ordensleuten von Remagen Sorge. Der Chronist vom Kloster Apollinarisberg P. Bernward Fuchs notiert Anfang 1934, also ein Jahr nach der Machtergreifung der Nazis: „Der Beginn des neuen Jahres ist in religiöser, politischer und wirtschaftlicher Beziehung wenig erfreulich. Die nationalsozialistische Regierung sucht ihre Macht immer mehr zu verankern. Alle Posten werden mit ihren Leuten besetzt. Alle Parteien sind verboten, die Geistlichkeit in den Predigten überwacht. Mehrere in Schutzhaft genommen und zu Gefängnisstrafen verurteilt. Eine nationalchristliche Kirche wird angestrebt, in der vom Christentum wenig mehr übrigbleibt. Die Jugend wird der Kirche immer mehr entfremdet, die katholischen Jugendverbände trotz Konkordat mit allen Mitteln bekämpft. Außenpolitisch und wirtschaftlich stehen wir vollständig isoliert da. Uns Minderbrüder hat man bisher in Ruhe gelassen und trotz einem allgemeinen Sammelverbot uns das Kollektieren gestattet.“
Auf der anderen Seite erlebte die Wallfahrt gerade im Jahr 1934 einen bemerkenswerten Aufschwung, und selten bekundeten die Pilger so sehr ihre Treue zu Christus wie in dieser schweren Zeit
1939 brach der Zweite Weltkrieg aus. In den letzten beiden Kriegsjahren war gerade die Stadt Remagen Ziel massiver Angriffe. Während dieser Zeit war P. Waltram Roggisch, bekannt auch als Komponist franziskanischer Kirchenlieder und als Forscher über den Franziskanertheologen Duns Scotus, Guardian auf dem Apollinarisberg. P. Waltram leitete als begnadeter Musiker in dieser Zeit auch den Apollinarischor.
Der ehemalige Chronist des Klosters P. Bernward Fuchs kam durch einen Bombensplitter ums Leben, da er sich bei einem Luftangriff nicht rechtzeitig in den Luftschutzkeller retten konnte.
Durch die Angriffe waren die Fenster der Apollinariskirche zerstört worden, sodass die Gottesdienste in dieser Zeit in der Krypta stattfinden mussten. Das Kloster war allerdings weiterhin bewohnbar, sodass die Franziskaner Familien aufnehmen konnten, die durch den Krieg obdachlos geworden waren. Ebenfalls fanden sich während der Luftangriffe viele Remagener im Keller der Apollinariskirche ein, um bei Gott Trost zu finden und gemeinsam mit den Ordensleuten zu beten.
Als der Krieg zu Ende war, konnten die notwendigen Reparaturen und Renovierungsarbeiten an der Kirche rasch fertiggestellt werden.  Auch die Wallfahrt blühte wieder auf.
P. Herbert Schneider, Gründer des Fördervereins
Eine Zäsur in der Geschichte des Franziskanerklosters auf dem Apollinarisberg gab es Anfang der 1970er Jahre: Das alte Gebäude wich einem neuen Bau. Zunächst diente das Kloster als Wohnung und Pflegeheim für die betagten Franziskaner. Das führte aber bald zu unüberwindlichen Problemen, da der Aufzug im Haus zu klein war und die Räumlichkeiten nur schwer als Krankenzimmer genutzt werden konnten.  Seit dem Jahr 1981 wurde das Kloster dann als Ausbildungshaus für die Mitbrüder genutzt, die das Priestertum anstrebten. Während sie im Apollinariskloster auf den priesterlichen Dienst im Orden vorbereitet wurden, studierten sie im nahegelegenen Bonn an der Universität Theologie. Leiter der Studentengemeinschaft, dem Klerikat, war zunächst P. Christoph Höttges, später dann P. Guido Britz.
Ab den 1990 Jahren gesellten sich dem Klerikat auch die anderen Mitbrüder in der Ausbildung zu, sodass nunmehr hier ein sogenanntes Juniorat, also die Gemeinschaft aller Franziskaner in Ausbildung, entstand. Leiter des Juniorates war P. Johannes Baptist Freyer.
Der letzte Konvent der Franziskaner auf dem Apollinarisberg mit Bischof Jörg Michael Peters.
Im Lauf der 1990er Jahre wurde dann aber aufgrund nachlassender Berufungen auch das Juniorat kleiner. Die Wallfahrt aber erfreute sich weiterhin großer Beliebtheit.
Zudem wuchs auch das Interesse an der Wallfahrtskirche auf dem Apollinarisberg. Im Jahr 1985 entstand der Förderverein Apollinariskirche e.V., der von P. Herbert Schneider gegründet wurde, der damals Provinzialminister der Kölner Ordensprovinz war und später – von 1989 bis 1991 – Guardian auf dem Apollinarisberg war. Dank der Unterstützung durch den Förderverein konnte eine umfassende Renovierung der Kirche in Angriff genommen werden, die auch noch nach dem Fortgang der Franziskaner Anfang 2007 andauerte.
Der Entscheidung, das Kloster auf dem Apollinarisberg aufzugeben, gingen vielfältige Diskussionen voraus mit dem Ziel, für alle die beste Lösung zu finden. Aufgrund der nachlassenden Berufungen sah sich der Franziskanerorden zu Umstruktierungen gezwungen, was eben auch bedeutete, liebgewonnene Konvente – und zu denen gehörte der Apollinarisberg – aufzugeben. Im Jahr 2004 beschloss das Provinzkapitel der Kölnischen Franziskanerprovinz, den Remagener Berg zu verlassen. Die Wallfahrt fand indessen nicht ihr Ende. Sie wird von der niederländischen
„Gemeinschaft der gekreuzigten und auferstandenen Liebe“, die auch das Kloster bewohnt, weitergeführt. Auch der von P. Herbert Schneider gegründete Förderverein setzt sich weiterhin für die Kirche auf dem Berg ein.
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Raymund Fobes
 Mehr zum Thema findet man auch in dem Sonderheft zu Remagen der Rhenania Franciscana.